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 Anomaly

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Deus
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BeitragThema: Anomaly   29/10/2013, 00:48

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Seattle



15.07.2072



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Zuletzt von Deus am 25/1/2014, 23:27 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Raven
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BeitragThema: Re: Anomaly   17/11/2013, 01:40

„Ich nenne es: meine Festung der Einsamkeit! Obwohl es heute nicht ganz so einsam ist. Aber was soll man denn tun, wenn das Dach unter Tonnen an Schnee undicht wird und Wasser auf meine Einrichtung tropft, wenn Kabel neu isoliert werden müssen? Aber wenigstens fragen sie nicht viel. Eine E-Mail mit den Aufgaben genügt und die Entlohnung bietet das nötige Schweigegeld. Aber ein Mädchen muss ja irgendwie auch über die Runden kommen und so ganz allein in einem so großen Haus...“
Raven war froh, als auch der letzte Mann das einstige Mitsuhama Computer Technologies-Gebäude verlassen hatte. Kaum, dass der letzte Fuß zur Tür draußen war, fuhren alle Sicherheitssysteme hoch. Die Kameras wurden eingeschaltet, sodass sie sich ganz sicher sein konnte, dass auch der letzte wirklich gegangen war. Alle Schlösser rasteten ein und die Alarmanlagen wurden eingeschaltet. Sie hasste es, wenn sie für Reparaturen fast alle ihre Sicherheitsmaßnahmen herunterfahren musste. Doch die Arbeiter waren gerade rechtzeitig wieder gegangen. Zeit online zu gehen! Das System lief bestens. Die Firewall, die sie eigentlich selbst war, funktionierte wie immer einwandfrei, der Prozessor lief, dachtet sie sich und hätte dabei gegrinst, falls sie einen Körper aus Materie gehabt hätte. Das Signal war klar. Es war ein Kinderspiel den eigenen Zugangsknotenpunkt nach außen zu passieren, dann noch einen und sie war im world wide web, in der Matrix. Im öffentlichen Raum.
Nicht nur dass sie hier auf Kamtschatka ihre Festung hatte, nein mittlerweile hatte sie auch eine virtuelle Festung. Einen kleinen Laden, den sie Raven's Loft genannt hatte. Im Grunde bestand dieser Raum nur aus zwei programmierten Räumen. Der eine Raum war ihr Hinterraum, den sie je nach Lust und Laune umprogrammierte um sich so an jeden Ort zu wüschen bzw. und jeden Ort der Welt, den sie wollte, herzuholen. Der größere Raum hatte eine nach außen hin weite Fensterfront, die mit Neoröhren grün und blau ausgeleuchtet war. Dadurch konnte man nur zu gut erkennen, dass der Raum mit metallisch glänzenden Kleiderständern, Regalen, Brettern voll gestopft war. Auf diesen Auslagegelegenheiten war allerlei Kram zu finden. Angefangen von den 0815-Klamotten, über Cyberpunk, Gothic, Lack und Latex, alles was das Herz begehrte. Armbänder, Halsketten, Schmuck, Piercings. Auch Sonderanfertigungen gab es. Es gab eigentlich nichts, was sie nicht programmieren konnte. Und zu ihrem Glück bezahlten Leute nicht nur draußen in der realen Welt Geld um Ramsch zu kaufen. Nein, sie bezahlten es auch liebend gern in Matrix um irgendwelche Items zu kaufen und ihr Icon damit zu schmücken. Sie war froh, dass sie selbst nie auf solche Dienste angewiesen war. Es konnte eben nicht jeder programmieren. Und so hatte sie an diesem Tag ihren Kunden wieder neues zu bieten, sowohl an Ware, als auch an Personal.
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Raven
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BeitragThema: Re: Anomaly   22/11/2013, 02:09

Niemand. Niemand wusste mehr wie sie wirklich aussah. Auch wenn alle Aufnahme mittlerweile aus so ziemlich allen Datenbanken verschwunden waren, wollte sie nicht, dass jemand anderes als ihr Bruder ihr Gesicht sah. Zumindest das Gesicht, an das sie sich noch erinnern konnte. Täglich hatte sie eine Kleinigkeit verändert. Zuerst die Haarfarbe, die Hautfarbe, die Schrägstellung der Augen, die Augenfarbe, sodass kaum etwas an die Raven erinnerte, die sie einmal gewesen war. Heute stand ein Mädchen, das nicht größer als 1,60m groß sein konnte im Laden. Ihr Haar war zu einem blauen Iro frisiert, oder in diesem Fall programmiert, die Augen waren fast ebenso blau wie die Haarfarbe. Die Kleidung war aus Lack und lag wie eine zweite Haut auf dem schmalen Körper an. Sie wirkte in den Unmengen an Angebot nahezu schmächtig und drohte fast unterzugehen, wäre da nicht diese Ausstrahlung gewesen, die sie umgab. Dieses unnahbare Feld, das alle fern hielt. So war es besser. Keiner konnte an sie heran und sie konnte sich kaum verraten. Es war ein schöner Zeitvertreib, wenn sie es mal ruhig angehen lassen wollte.
Vertieft streifte sie durch die Matrix auf der Suche nach Lebenszeichen von Wyatt. Wo zur Hölle trieb er sich nun wieder herum? Ja die Hölle... Das sollte sie sich wohl abgewöhnen, denn eine Hölle würde es für sie schließlich nicht geben. Sie war ja schon tot. Und wenn sie es verhindern könnte, dann würde sie auf ewig in dieser Matrix leben. Oder zumindest existieren. Sie hatte damals zwar eine große Tat geleistet, aber ihr Existenzzweck war noch lange nicht erfüllt. Die Matrix bot alles und dennoch keine Befriedigung. Es musste mehr geben dort draußen. Ein großes Abenteuer. Eine Meisterleistung, die ihr Versagen damals wieder wettmachte. Da war dieser Drang und sie wusste, dass irgendwann noch die Zeit kommen würde, in der sie sich dafür rächen können würde, für all das Unrecht, das ihr als Kind widerfahren war. Für die Ungerechtigkeit dieses totalitären Systems. Irgendwann... sie musste nur Geduld haben.
Sie bahnte sich ihren Weg über die gesamten Leitungen und Signale, die die Welt zu einem großen Ganzen innerhalb der Matrix verbanden. Passierte mühelos Knotenpunkte. Auf der Suche nach diesem einen Signal, das sie überall erkennen würde. Ja, da war es. Auf dem amerikanischen Kontinent. Im Westen. Seattle. Sie hatte die Sicherheitsvorrichtungen auf dem Comlink installiert, also musste sie sie erst gar nicht erkennen. Ihr Programm erkannte sie sofort.
„Wyatt, was machst du in Seattle. Nur weil ich dir Geld überweise und eine neue SIN mache, heißt es noch lange nicht, dass du dir in den Arsch schießen lassen kannst!“, teilte sie ihm mit. Für Raven war es bereits zu einem bloßen Denkvorgang geworden. Sie musste die Worte nur denken und sie erklangen bereits durch den implantierten Köpfhörer ihres Bruders.
„Hallo Schwesterherz. Ich freu mich auch von dir zu hören!“, gab ihr Bruder zurück. Raven konnte deutlich das zufriedene Grinsen in seiner Stimme hören.
„Bist du lebensmüde?“, blaffte sie ihn unterkühlt an.
„Ich hab dich auch vermisst!“, gab er zurück und erntete nur ein unzufriedenes Schnauben.
„Ich will Antworten! Pronto!“; er war zwar erwachsen, aber mit seinen 30 Jahren nicht unbedingt der Typ Mann, der daran dachte sich nieder zu lassen und eine Familie zu gründen. Seit ihrem Tod war es eigentlich noch schlimmer geworden. Er wurde in seinem Kampf gegen das System irgendwann immer schlimmer, obwohl sie ja nicht wirklich tot war.
Doch da erklang bereits das leise Klingeln der Tür, als diese aufgedrückt wurde und ein blondes Mädchen herein stöckelte. Mist.
„Noch einmal bist du davon gekommen. Aber später will ich endlich Antworten!“, damit kappte sie die Verbindung zu ihrem Bruder und betrachtete die Blondine, welche auf sie zu wankte mit aufgeregt glitzernden Augen.
„Hast du es?“, fragte sie fast nervös, was Raven nur dazu brachte die Schultern zu zucken.
„Wenn ich es nicht hätte, dann wäre ich nicht Raven.“, meinte das Mädchen mit dem blauen Iro. Sie holte eine virtuelle Schachtel hervor und schob sie über den virtuellen Thresen. Voller Begeisterung wurde der Deckel aufgerissen. Entpacken des Datenpakets nannte sich das wohl, dachte sie sich und verdrehte die Augen. Papi hatte wohl ne Menge Geld zu viel, denn die liebe Tochter hatte sich etwas ganz ausgefallenes bestellt, ein Kleid, das aussah, als wäre es komplett aus Brillanten. Aber konnte ihr egal sein, denn eine Zahl mit vielen Nullen stand auf ihrem Konto. Und sie hatte bereits so eine Ahnung, dass das nicht der letzte Einkauf von Blondi werden würde.
„Danke...“, hauchte sie und verschwand damit in einer der Umkleidekabinen, die lediglich aus einem runden Metallgestell bestanden, welches an die Wand montiert war und einem schweren, schwarzen Vorhang zum Zuziehen. Kurz darauf stöckelte das Mädchen heraus. Ohne Zweifel war es eine im wahrsten Sinne des Wortes brillante Arbeit. Raven schmunzelte in sich hinein. Dennoch ein Kinderspiel.
Kaum dass das Mädchen zur Tür raus war, erfasste sie ein komisches Gefühl: Schwindel. In der Matrix. Das hatte sie noch nie zuvor erlebt. Ein Flackern ging durch alle Neonröhren. Die Wände wurden kurz... ja, die Wände schienen eine kurze Wellenbewegung zu machen. Und Raven wusste, dass ihr Programm nicht so lief, wie es sollte. Ein Systemfehler. Aber was hatte sie nur übersehen? Ihr Verstand begann damit Systemchecks machen, nach dem Fehler zu suchen. Und dann fand sie es plötzlich und unübersehbar. Es war ein Datenbündel, welches Informationen wild ins Netz um sich herum schoss. Ja, schoss. Mit einer rasenden Geschwindigkeit. Zahlen. Sinnlose Aneinanderreihungen von Buchstaben. Logarithmen. Laute. Es bildete sich ein kurzer Schemen. Angst. Panik. Wut. Hilflosigkeit. Die Emotionen überrollten mit einer Heftigkeit, dass sie zurück taumelte und sich für den Bruchteil einer Sekunde fangen musste. Sie hatte keine Ahnung was dieses Ding war. Aber es war da. War in ihrem System. In ihrem Raum. Und dann war es weg. Das Flackern wurde zu einem beständigen Brennen der Neonröhren. Die Wände hatten wieder ihre glatte Form angenommen. Die Datenflut erstarb. Und dieses Ding, was auch immer es war, war verschwunden. Sofort wurden alle Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren und Raven suchte noch entschlossener nach Viren, Würmern, Agents, Sprites... aber da war genau nichts.
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BeitragThema: Re: Anomaly   8/12/2013, 18:43

Nach Stunden der Suche gab sie endlich auf. Nichts. Keine Spur von diesem Etwas, was auch immer es gewesen war. Es war kein Virus, kein Wurm, kein Agent, kein G-Men, kein MCD, kein CCMA und auch kein Sprite. Jedenfalls nichts, was sie bisher kennen gelernt hatte. Doch sie kannte noch lange nicht alle Matrix-Phämomene. Die Systeme liefen wieder, der Laden war geöffnet. Es dauerte nicht lange, bis ein Paar virtuelle Gäste hereinspazierten. Nun, die Gäste waren echt, nur ihre Icons waren programmiert. Aber die meisten gaben sich mit Kleinigkeiten zufrieden, welche bereits vorprogrammiert im Laden zu finden waren. Bis ein besonderer Kunde kam. Es war ein junger Mann in verwaschener Jeans, mit schwarzem Shirt und einer Wildlederjacke. Irgendwie kam ihr sein Gesicht bekannt vor. Es erinnerte sie sehr stark ein Filmplakat. An ein Gesicht, welches sie bereits öfter gesehen hatte. Und als er ihr einfiel woher, musste sie grinsen.
„Gute Arbeit! Wie viel hast du dafür geblecht?“, fragte sie gerade heraus. Natürlich war es das beinahe vergessene Gesicht des Mannes, der keine dreißig geworden war und dessen Geburtstag sich nun jährte. Der 140ste Geburtstag. Der junge Mann zuckte nur mit den Schultern und kam weiter auf die kleiner Frau mit dem Iro zu.
„Ich brauche einen Code...“, meinte er leise über den Tresen, auf den er sich lässig mit einem Ellenbogen aufstützte und über seine Schulter zu ihr herüber schaute. Mit der anderen schob er einen Zettel über den Tisch. Die schlanken Finger der Frau griffen danach, sie faltete es auf und ein Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
„Na, wenn es mehr nicht ist. Wird dich aber sieben Hunderter kosten...“, meinte sie und tat einen Schritt in Richtung ihrer PC-Einheit. Natürlich brauchte sie sie nicht, aber es war doch immer schön etwas Authentizität zu bewahren. Also hatte sie ein Gerät programmiert, welches wie ein PC aussah und auf das sie eintippen konnte, sodass Geräusche entstanden, welche den Raum füllten. In Wahrheit war es aber ihr Verstand, der arbeitete, der sich den Weg hinaus bahnte an den einzelnen Knotenpunkten, bis hin zur Zentrale, durch die eher lausigen Sicherheitsmaßnahmen hindurch, bis in das Herz. Hier was es nicht schwer das Leck zu finden. Es gab schließlich genug. Dann ebenso unbemerkt wieder hinaus gelangen. Ein eigens umprogrammierter Sprite verwischte ihre Spuren und löste sich dann in Nichts auf. Sie liebte diese Teile! Nur fünf Minuten später deutete sie ihm seinen Arm mit dem Comlink entgegen zu strecken. Sie hielt ihm einen Credstick entgegen, auf welchen Geld gebucht wurde und tippte den gewünschten Code in das Gerät ein.
„Beim nächsten Login den Code eintippen.“ Der junge Mann nickte nur danken und verschwand wieder zur Tür. Bisher war es ein annehmbarer Tag, aber der richte Clou fehlte noch.
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BeitragThema: Re: Anomaly   13/12/2013, 04:06

Einige Stunden und ein Paar Verkäufe später beschloss Raven, dass es Zeit war sich in ihre Festung der Einsamkeit zurück zu ziehen. Binnen von Sekunden war ihr Laden gesichert und sie befand sich innerhalb von 2 Sekunden in ihrem Gebäudekomplex auf Kamtschatka hinter Unmengen an Programmen und Sprites. Es war Zeit, es erneut zu versuchen und dieses Mal fand sie das vertraute Signal laut und deutlich. Sie verband sich mühelos mit der Comeinheit.
„Wyatt. Du schuldest mir noch immer Antworten!“, verlangte Raven durch den Kopfhörer ihres Bruders zu wissen. Ihre Hacker-Sinne streckten sich nach ihm aus. Dieses Mal konnte sie ihn sogar genau lokalisieren. Er war ein kleiner, grüner Punkt, der sich auf der Seattle-Karte in Richtung der Barrens bewegte. Und das mit Bestimmtheit, als hätte er ein genaues Ziel vor Augen. Das Schlimmste daran war, dass sie keine Ahnung hatte, was er dort suchte. Diese Tatsache trieb sie in den Wahnsinn. Er begab sich wieder in Lebensgefahr. Er zumindest war von ihnen beider der, der noch am Leben war und ihr lag viel daran, dass es auch so bleib. Zudem war es kaum verwunderlich, dass sie wahnsinnig vor Sorge wurde: zuerst hatte sie das Signal vor ein Paar Wochen verloren, konnte es Wochen lang es gar nicht lokalisieren. Wyatt schien vom Erdboden ausradiert zu sein oder aber er hatte die Verbindung zu ihr gekappt. Wahrscheinlich hatte er in diesem Fall sogar die Verbindung zur gesamten Außenwelt gekappt. Es konnte nur einen Grund geben, weshalb er das tat: er dachte, dass Gefahr für sie beide bestand, weil die Leitungen abgehört wurden, aber dem war nicht so. Sie wäre die erste gewesen, die gewusst hätte, falls jemand ihre Leitungen abgehört hatte. Und dem war nicht so, auch wenn sie bis jetzt dieses sonderbare Phänomen in der Matrix nicht zu erklären wusste. Noch nicht.
„Ich hab einen Auftrag!“, gab er leise zurück. Wyatts Stimme war gesenkt, so als bemühte er sich leise zu sein. Er musste sich tatsächlich auf feindlichem Boden befinden.
„Bist du deswegen in den Barrens?“, gab seine Schwester kalt zurück. Sie schaltete ihr Bild über sein Comlink dazu. Das helle Gesicht mit dem blauen Iro veränderte sich, wurde weniger kantig, wenn auch nach wie vor prägnant, nahm wieder die jungen Züge an mit den glatten, leicht gewölbten Wangen, der blassen Haut und den großen, dunklen, mandelförmigen Augen. Ihr hübsches, fast filigranes Puppengesicht war umrandet von einer Wolke schwarzer Locken. Die schmalen, geschwungenen Augenbrauen wölbten sich missbilligend über den beiden obsidianfarbenen Augen und ihr kleiner, voller Mund verzog sich in einem Winkel unzufrieden, als sie Wyatt durch das Comlink anblickte. Sie erkannte sofort wie müde und gealtert er wirkte. Sein schlohweißes Haar war mittlerweile einige Zentimeter länger und fiel in seine durchscheinend blauen Augen. Unter seinen Augen und um seine Mundwinkel hatten sich kleine Fältchen gebildet. Raven erkannte, dass er eine schwarze Lederjacke trug und ein dunkles Shirt. Mehr sah sie nicht. Aber ein Stich durchfuhr sie, als sie sich wieder mit seiner Sterblichkeit konfrontiert sah. Ja, er war gealtert. Und er verkürzte sein ohnehin kurzes Leben mit solchen schwachsinnigen Aktionen wie dieser; indem er sich in Barrens von Seattle begab.
„Na ja, du bist doch so ein Fan der Occupy-Bewegung.“, er sagte es leicht abfällig. Sicher war die Occupy zu ihrem Zuhause geworden, Raven war sogar für ihre Ziele gestorben. Aber Wyatt pflegte nun mal gern sie daran zu erinnern. Es hatte es noch immer nicht verwunden, dass er seine kleine Schwester nur noch als virtuelles Gebilde betrachten konnte.
„Einer zuverlässigen Quelle nach zu urteilen, werden die Yakuza hier unruhig. Sehr unruhig. Es kann sogar sein, dass Ares etwas damit zu tun hat. Du weißt selbst, dass die Occupy eine große Zuläuferzahl zu verzeichnen hat. Womöglich wird es eine Möglichkeit geben, deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, sollte es wirklich zu einem virtuellen Showdown kommen... Ich bin gerade dabei mehr heraus zu finden, was Ares und die Yakuza im Schilde führen. Du weißt doch, Ares war schon immer ein Dorn im Auge der Occupy!“ Wenn das keine Catchphrase war, dass wusste Wyatt auch nicht, wie er seine Schwester von seinem Vorhaben überzeugen konnte.
„Aber musst du denn gleich so eine Scheiße bauen? Kannst du nicht erst einmal mich recherchieren lassen, bevor du dich in die Hölle höchstpersönlich begibst?“, sie klang noch immer unzufrieden.
„Kannst du mir mal erklären wo du in den letzten Wochen warst. Warum ich dich nicht finden konnte?“, zischte sie.
„Musste untertauchen. Ich glaube, da war was in unserer Leitung...“
„Wyatt, da kann gar nichts gewesen sein. Ich sorge selbst für unsere Sicherheit.“
„Ja, aber auch du bist nicht unfehlbar, Raven, auch wenn du es gern wärst... Ich muss weiter...“
Aber noch bevor Wyatt auflegen konnte, wurden seine Worte abgehackt und ein Rosa Rauschen überlagerte die Verbindung und plötzlich brach die gesamte Verbindung ab. Raven wurde mit einem Mal auf ihre eigenen Systeme zurück geworfen. Alles um sie herum begann zu flimmern. Eine ungeheure Datenflut prasselte auf sie ein, ließ sie die Orientierung verlieren und einen Schmerz fühlen, der nichts mehr mit physischem Schmerz zu tun hatten und dennoch da war. Die Unmengen verwirrten sie. Veranlassten sie sogar einen Teil ihrer Sicherheitsmaßnahmen fallen zu lassen, weil sie sich nicht darauf konzentrieren konnte. Wieder waren es sinnlos aneinander gereihte Zahlen, Eines und Nullen, die keinen Sinn ergaben. Raven versuchte sich zu wappnen gegen die Datenflut. Am Rande bemerkte sie, wie sich alle ihre Sprites ins Nichts auflösten, wie ihre Programme eine Fehlermeldung nach der anderen an sie sendeten. Es kostete sie einiges an Kraft und Konzentration um sich zumindest so weit gegen die Datenflut abzuschirmen, als dass sie wieder denken konnte. Es war kein bloßes Schwanken, keine Anomalie, wie vorhin im Laden. Das hier, was auch immer es war, traf sie mit einer unerwarteten Flucht. Noch während sie versuche ihre Systeme aufrecht zu erhalten, ballte sich die Datenflut in einem Knoten in ihrem System zusammen, zog sich zurück, ordnete sich. Ergab fast etwas Konfuses, dass doch Struktur hatte. Es war ein sonderbares Gebilde, von dem sie nicht wusste, was es war. Es schien synthetisch und dennoch war es zu konfus um logisch zu sein. Als Raven sich so weit gefangen hatte, dass sie die richtigen Befehle an ihre Programme senden konnte und diese wieder stabilisiert waren, hatte sich diese Anomalie weiter zusammengezogen, hatte nun fast eine Gestalt, die sie einen unfertigen Sprite erinnerte. Als sie sich dem Ding nähern wollte, löste es sich plötzlich auf. Ins Nichts. Es war einfach weg. Ohne eine Spur zu hinterlassen. Das Sonderbarste war dabei, dass keines ihrer Systeme Alarm geschlagen hatte...
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BeitragThema: Re: Anomaly   5/1/2014, 01:51

So konnte es nicht weitergehen. Dieses Etwas sabotierte ihre Systeme, behinderte sie bei der Arbeit, mischte sich in die Leitung zwischen Wyatt und ihr. Was auch immer es war, es musste sehr bald beseitigt werden. Doch wie? Es war wichtig ihre Systeme sauber zu halten, doch noch wichtiger war ihr Wyatt im Moment. Dieser Trottel riskierte doch allen Ernstes für ein Paar Informationen über die Yakuza sein Leben. Sie konzentrierte sich auf sein GPS-Signal. Da sie wusste, wo er sich zur Zeit aufhielt, war es nicht schwer ihre Festung über die einzelnen Knotenpunkte zu verlassen, sich ins world wide web zu begeben und von dort Wyatts kodiertes Signal zu verfolgen und sich dort in sein Comlink zu haken. Mehr als das. Sie wusste zwar, dass er es hasste, wenn er keine Gewalt über seine Technik hatte, aber seine Sicherheit ging nun einmal vor. Ob er wollte oder nicht. Sie schaltete den Freisprecher seines Comlinks ein. Sie hörte Schritte durch ein leeres Gebäude hallen. Eine Halle. Es musste eine Halle sein. Sie konnte sie sogar in der Matrix lokalisieren, schließlich war das hier verwendete VPN auch an die Matrix angeschlossen. Hier floss Strom und eine Bits an Informationen. Wenn Wyatt sie auch bemerkt haben mochte, so machte er sie nicht darauf aufmerksam. Würde jemand feststellen, worüber er sich unterhielt, konnte man ihn womöglich für einen Spitzel halten, also ließ sie den Comlink bis auf diese Mithörfunktion weitestgehend deaktiviert. Sie hörte auch, wie er zuerst einen Wachmann passierte, dann einen zweiten. Wie er abgetastet und auf Waffen abgetastet wurde. Schnell klinkte sie sich aus und deaktiviert das Comlink komplett. Es war schließlich nur eine Frage weniger Sekunden, bis sie wieder mit ihm verbunden war. Das hatte aber anscheinend bereits genügt, damit er sein Ziel erreichen konnte. Eine tiefe Stimme, die kaum menschlich sein konnte, forderte ihn auf sich zu setzten. Und ein Gespräch begann. Zunächst sinnloses Geplänkel, woher er komme, was er wissen wolle, was er im Austausch habe. Schön, dann hatte sie also recht gehabt, sein Auftrag bestand also in der Informationsbeschaffung für die Occupy. Doch etwas schien dazwischen zu kommen und der Troll oder Ork, bat ihn zu warten.
„Manieren hat er zumindest!“, gab Raven über Wyatts implantierten Hörer zu vernehmen.
„Das hättest du mir auch alles vorher erzählen können, anstatt mich auf glühenden Kohlen sitzen zu lassen, Wyatt!“, sie war immer noch stinksauer. Auf Wyatt und auf diese Anomalie in ihrem System.
„Raven, sei still. Die Wände haben Ohren. Also hör zu!“, gab Wyatt gereizt aber leise zurück. Denn nebenan öffnete sich eine Tür und zwei Neuankömmlinge traten ein: ein Mann und eine Frau. Das war wohl mehr Zufall als Schicksal. Mehr Glück als Verstand. Denn die beiden schienen nach einer SIN zu verlangen. Da wurde das Ganze doch gleich spannend. Auch Raven verstummte und hörte zu. Wartete ab, was sie zu sagen hatten. Doch auf der anderen Seite gab es oft und viele Menschen, die ständig eine neue SIN brauchten. Die Frage war, ob sie sich das leisten konnten...
„Was sagst du dazu?“, gab Wyatt zufrieden zurück. „Wäre das nicht eine Herausforderung für jemanden wie dich?“ Doch auf der anderen Seite der Leitung blieb es still.
„Raven?“
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BeitragThema: Re: Anomaly   27/1/2014, 20:51

„Raven?“, hallte seine Stimme durch ihre Residenz und wurde von der Belchverkleidung zurückgeworfen. „Hallo, Erde an Raven? Hörst du irgendwann auf zu schmollen?“
Schön hatte er sich das wieder ausgedacht. Ganz wunderbar. Und sie wurde wieder nicht gefragt.
„Und wie möchtest du nun dein kleines Problem lösen mit der SIN? So ganz ohne Hacker?“
„Ach, stell dich nicht so an. Verbündete und Freunde kann man immer brauchen. Die Kleine brauch ne SIN und der Typ scheint einen Retterkomplex zu haben, also wäscht eine Hand die andere. Eine SIN für Infos über die Yakuza.“
„Und woher weißt du, dass ich dir die Infos nicht hätte auch so besorgen können? Ohne dass ich mir zusätzlich eine ganze Nacht lang Arbeit aufhalse und dazu ganz ohne Einnahmen!“
„Du hast doch selbst gesagt, dass du die Yakuza nicht finden kannst. Also, schaffst du das? Oder sollen sich die beiden einen besseren Hacker suchen?“
Raven kannte dieses Spiel. Oh ja, sie wusste, was ihr Bruder da tat. Es hatte bereits damals funktioniert, als sie noch lebendig war. Als sie noch ein Mensch war. Dabei wusste sie ganz genau, dass er auf die Schnelle keinen besseren und schnelleren Hacker finden würde. So viel stand fest. Und ohne sie würde er seinen Arsch wieder in irgendwelche Scheiße reiten! Raven seufzte resigniert und hörte sogleich auf der anderen Seite der Leitung ein Grinsen in Wyatts Stimme.
„Wunderbar! Ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann. Sie ist etwa ein Meter siebzig groß, vermutlich an die 60 Kilo schwer, lange schwarze Haare, grüne Augen und scheint von der indigenen Bevölkerung abzustammen. Ich würde sagen, sogar hier aus Seattle. Menschlich auf den ersten Blick und nicht älter als Zwanzig. Mit dem Namen Denahi kannst du beginnen. Vielleicht dazu etwas aus der Kolonialzeit wie... James?“, plapperte Wyatt darauf los.
„Ich schaue, was sich einrichten lässt...“, meinte Raven leise und etwas entnervt. „Und du, bewegt deinen Arsch nach Hause. Damit das klar ist, ich will nicht, dass wieder so ein Mist hinter meinem Rücken abläuft. Beim nächsten Mal will ich alle Infos haben. Sonst kannst du deinen Scheiß allein machen!“ Doch sie wussten beide, dass dem nicht so war, dass Raven ihn nie im Stich lassen würde, auch wenn er sie mit seinem Verhalten auf die Palme brachte. Damit stöpselte sie sich aus und ließ Wyatt allein in den Barrons zurück. Jedenfalls hatte es den Anschein. Denn sein GPS-Signal behielt sie weiterhin im Auge, als er kurze Zeit darauf die Barren verließ.
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BeitragThema: Re: Anomaly   5/2/2014, 04:24

Raven seufzte etwas missmutig: wieder hatte ihr Bruder ihr da Arbeit aufgehalst. Wieder brauchte er Hilfe, das war typisch. Nicht, dass sie es nicht schaffen würde. Aber ihr ging es ums Prinzip, er hatte einfach kein Recht ihre Dienstleistungen an Wildfremde zu verkaufen, auch wenn er sich davon einen Vorteil erhoffte. Was konnte die ihm außerdem schon beschaffen, das sie nicht beschaffen konnte. Vielleicht stand er ja auch das Mädchen? Aber nein, ihr Bruder war dazu zu cool. Sie konnte sich nicht einmal daran erinnern, dass er jemals eine Freundin gehabt hatte. Oder sogar eine Liebschaft. Sie selbst, ja sie hatte wenigstens jemanden gehabt. Sicher war es arrogant gewesen damals, zu glauben, dass niemand an ihre Fähigkeiten heran kam, aber Teenager waren eben so. Sie glaubten immer, sie seinen unbesiegbar. Immer hatte sie das Gefühl gehabt, dass andere sie zurückhalten würden. Alle außer Cloud. Er war ein bemerkenswerter Hacker gewesen, so wie sie selbst. Wenn ihr einer das Wasser reichen konnte, dann war er es gewesen. Dieser schweigsame Hacker mit Haaren so blau wie der Himmel in der Nacht. Er hatte nie ein Wort verloren, das zu viel war. Hatte nie etwas banales von sich gegeben oder Worte des Hasses verloren. Im Endeffekt schien es so, als sei ihm die Welt mit allem darin gleichgültig gewesen, bis auf sie – Raven. Er war der Einzige gewesen, der sie verstanden hatte. Sie hatten auch mit dem Gedanken gespielt, später, wenn sie mal sterben sollten ihre Seelen in einen binären Code zu transferieren. Doch keiner von ihnen hätte gedacht, dass es auch nur ansatzweise möglich gewesen wäre in der Matrix weiter zu leben. Nicht nur als Code, sondern als Individuum. Zu dumm, dass er nicht mehr lebte. Dass er auch so früh gegangen war. Er damals bei ihr gewesen, als die Matrix den Bach runterging. Doch Cloud war schneller, er war nicht mehr in der Matrix. Monate später erfuhr sie, was wirklich geschehen war. Sie waren aufgeflogen. Eine Kugel hatte ihn getroffen und er starb an seiner Verletzung. Verblutete neben ihr, während ihre leblose Hülle unversehrt daneben lag und in den Tod glitt, völlig seelenlos. Es tat ihr Leid; so viel ungenutztes Potential. So viel Begabung, alles dahin. Und wofür? Für einen Traum! Und wer war der Feind: natürlich der Staat. Nein viel mehr nicht der Staat selbst, sondern die korrupte Regierung die nicht länger aus dem Staat bestand, sondern zahlreichen Puppenspielern, die von hinten die Fäden zogen. Vieles hatte sich verändert, der Feind war der gleiche geblieben.
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BeitragThema: Re: Anomaly   26/2/2014, 12:34

Oj ja, der Feind. Der Feind war der Selbe. Das war ihre Motivation, Wyatt zu unterstützen, die Fremden zu unterstützen. Die Yakuza war zwar nicht die Regierung, aber sie hatten genug Fäden in den Händen um die Geschickte Seattles zu lenken. Und dieses Ziel reichte ihr vorübergehend aus. Bis sich ihr Feindbild verschob. So begab sie sich also in world wide web über die ihr nur zu bekannte Verbindung ins Netz. Verließ Kamtschatka, verließ ihre persönliche Residenz und betrat den so genannten öffentlichen Raum. Von dort suchte sie die Spur der Regierung in den nicht ganz so öffentlichen Raum. Sie komplilierte einen Sprite, der ihre Spuren verwischen sollte und einen, der ihre Ablenkung sein sollte, sollte sie auffliegen. So hackte sie sich mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln durch die Firewall, was sie als gar nicht so schwer erweisen sollte. Es erstaunte sie sogar, wie einfach es ihr gelang. Sicher liefen permanente Virenprogramme. GOD und Agents patrouillierten regelmäßig hier, doch das geschah immer in Intervallen. Raven musste nur genau herausfinden wie groß diese Intervalle waren um dann diesen kleinen Schwachpunkt auszunutzen. Eine Ablenkungsaktion schien zu riskant, da sicher mit einem Mal die Sicherheitsverkehrungen verschärft werden würden und noch dieser hässlichen Sicherheitsprogramme auflaufen würden. Unnötiger Trubel. Bei der hiesigen Kontrolle schien es sogar übertrieben auf ein weiteres Programm zu setzen, außer dem Sprite, der ihre Spuren verwischte und zum Schluss ins Nichts führen würde. Die Lücke erwischt, sich hinein gepisht, war sie in ihren Datenbaken drin, war es das geringste Problem eine neue Datei anzulegen für einen Bürger, der angeblich seit 22 Jahren auf der Welt war. Das Einzige, was sich als schwierig gestaltete, war es die Datei so aussehen zu lassen, als sei sie alt, 22 Jahre alt. Diese mit anderen Einträgen in der Datenbank zu verzahnen. Das war es, was sie mehr an Zeit kostete als das Ausfüllen der Feldchen mit Daten, Namen und Nummern. Immer wieder war da die Präsenz von Agent und Programmen, die nach Viren, Würmern und Eindringlingen suchten und es raubte ihr die kostbare Zeit, sich vor diesen zu verbergen, schließlich waren ihre Sprites auch nicht die klügsten. Und langsam begann die Zeit knapp zu werden. Sehr knapp, wie sie feststellen musste, denn das Erstellen der fiktiven Daten hatte sie mehr Zeit gekostet, als sie angenommen hatte. Ein Blick auf ihre digitale innere Uhr sagte ihr, dass sie keine Stunde mehr hatte, bevor die Übergabe stattfand. Es war also Zeit einen Zahn zuzulegen. Sie musste es riskieren, wenn sie fertig werden wollte und überließ ihre Deckung nun vollständig den Sprites. No risk, no fun!
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BeitragThema: Re: Anomaly   26/2/2014, 23:08

Gerade als Raven den letzten Befehl programmierte und ich absendete, schrillten überall Alarmsignale los. Verdammt! Aber immerhin hatte sie die SIN fertig gestellt.
„Raven?“, hörte sie nebenbei die Stimme ihres Bruders, mit der sich mit ihrem Signal verband.
„Wir brauchen die SIN! Hast du's bald geschafft?“ Sie war zwar eine gute Hackerin, aber dummerweise reichten ihre Fähigkeiten nicht aus um sich in die Sicherheitssysteme einzuhacken und diese auszuschalten. Sie konnte nur mit ansehen, wie immer mehr Agents aktiviert wurden und sich rasant ausbreiteten. Wie sie nach und nach zuerst Knotenpunkte nach draußen versperrten und dann die Verbindungen gekappt wurden.
„Wyatt, nicht jetzt. Ich stecke hier bis zum Hals in virtueller Scheiße!“, damit kappte sie die Verbindung zu Wyatt. Schloss die SIN-Datei, die sie bis eben bearbeitet hatte, als wäre nichts gewesen. Die SIN war perfekt. Niemand würde darauf kommen, dass sie gefälscht war. Eine ihrer bisher besten Arbeiten, wie sie fand. Aber keine Zeit um sich dem eigenen Stolz hinzugeben. Sie musste raus, solange es noch Auswege gab. Also programmierte sie einen ihrer Sprites um, damit er sich auflösen würde in 120 Sekunden, ebenso den anderen. Während sie einen ihrer Sprites einen Knotenpunkt für Knotenpunkt sich von ihr entfernen ließ, zunächst verdeckt, damit man ihren genauen Aufenthaltsort nicht lokalisieren konnte, schließlich ließ sie ihn für alle Agent sichtbar werden. Sofort richtete sich die Aufmerksamkeit auf den verirrten Sprite, der sich immer weiter von ihre entfernte und eine Vielzahl der Agents folgte dem Sprite, der schließlich unkontrolliert Datenmüll spukte. Armer, dummer Sprite. Sofort wurde er eingezäunt und gesichert, damit er sich nicht weiter durchs System bewegen konnte und womöglich alles mit seinem Datenmüll verpestete. Das war genau die Ablenkung, die sie brauchte um unbemerkt die Datenbank zu verlassen und sich in das globale Betriebssystem zu begeben. Der andere Sprite folgte ihr dicht auf und löschte die Spuren, die auf ihre Anwesenheit verwiesen. Dieser Sprite vermochte zwar nicht ihre gesamte Anwesenheit zu verbergen, dennoch löschte er die wenigen Eingriffe und die wenigen gefilterten Informationen, die sie von sich gab, während sie sich über die einzelnen Verbindungslinien des Netzes bewegte. Nicht einmal sie konnte es, keinerlei Informationen zurück zu lassen. Unerfahrene Hacker schmissen nur mit Daten um sich, da sie den Datenfluss noch nicht zu kontrollieren wussten, so wie dieser eingekreiste Sprite es auf ihren Befehl hin tat. Sie hingegen konnte den eigenen Datenfluss minimieren auf einen Wert, der gegen Null strebte. Doch auch sie musste sich bewegen, musste handeln und hinterließ Spuren. So lange aber der Sprite alle persönlichen Aktionen und Interaktionen, sowie Emotionen löschte, welche direkt mit ihr zu tun hatten, würde sie niemals wissen, dass sie es gewesen war: Raven. Sie würden mit Sicherheit wissen, dass jemand in ihrem System gewesen war. Ein Hacker. Und das war gut so. Schließlich wollte niemand, dass sich die Regierung und die Exekutive in Sicherheit wussten. Und gerade als sie sich durch die Systeme gespeist hatte und der Weg nach draußen bereits zum Greifen nahe war, tauchten drei Agent auf. Sie war so nah dran, dass dieser Auftrag klappte. Während sie den Sprite auf einen der Agents hetzte, merkte sie, wie sich der erste Sprite in ein Datenbündel auflöste, damit war ihre Ablenkung dahin und sie steckte noch immer im VPN der Regierung. Mist. Bald würde es nur so von Agents wimmeln. Ihr blieb also nichts anderes mehr übrig, als die beiden Programmgebilde anzugreifen. Obwohl die beiden Agents doch recht vehement kämpften, waren sie doch recht schwach für ihr Empfinden und ließen sich einfach auflösen. Das war zu einfach gewesen, dachte sich Raven noch. Im nächsten Moment musste sie jedoch feststellen, dass sie umkreist war und fünf von den Dingern ihr den Ausweg versperrten, Das hieß dann wohl: zu früh gefreut. Innerlich machte sie sich bereits auf einen Kampf gefasst, denn auch der zweite Sprite löste sich nun langsam auf. Also konnte sie sich nun wieder nur auf sich selbst verlassen. Das übliche Spiel: Raven gegen den Rest der Welt. Während drei der Agent direkt auf sie losgingen und sie mit einer Pishing-Attake reagierte, geschah etwas Sonderbares und doch Vertrautes. Eine Erschütterung breitete sich aus. Daten begannen zu flimmern. Wurden für einen Moment unscharf. Die Agents wurden mit einem Datenschwall überflutet, der zuletzt auch sie traf. Eine pure Emanation an chaotischen Daten, die alle Systeme durcheinander brachte und das mit einer solchen Wucht, dass selbst sie sich orientieren musste. Und wenn es ihr, als eigenständig denkendes Wesen so schwer fiel, wie musste es dann erst den Programmen ergehen. Raven nutzte diesen Überraschungsmoment und verließ über den letzten Knotenpunkt das VPN, während das Chaos Überhand nahm. Einige der Agents in ihrem Rücken lösten sich auf, andere wurden zu einem wirren Bündel, andere wurden Teil dieser Daten-Emanation. Sie war nur froh, dass sie so schnell wie möglich mit der abgespeicherten SIN verschwand. Obwohl sie glaubte, dass diese Emanation dieses Mal sogar noch konsistenter war. So geballt, dass sie wahrscheinlich sogar eine feste Form annehmen würde. Sie wollte aber nicht wissen welchen, das war ihr ihre Freiheit nicht wert.
Doch während sie sich ihren Rückweg über Umwege zurück bahnte, hatte sie das Gefühl, dass ihr etwas folgte. An die zehn Mal überprüfte sie, ob sie kein Agent an ihre Fersen geheftet hatte und stellte zehn Mal fest, dass da kein Agent war. Dennoch beschlich sie dieses ungute Gefühl.
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Anomaly
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